trauma
Um Trauma somatisch zu verarbeiten, musst du es nicht zwingend – wie in einer klassischen Therapie – mental oder emotional erneut durchleben. Stattdessen liegt der Fokus darauf, dein Nervensystem zu regulieren und die im Körper gespeicherte Anspannung zu lösen, die als Folge des Traumas entstanden ist.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Trauma setzt sich zuerst im Körper fest. Erst danach entwickelt der Verstand ein Narrativ dazu, um das Erlebte einzuordnen. Dennoch spielt nicht nur die körperliche Reaktion eine Rolle, sondern auch, wie individuell mit dem Geschehen umgegangen wird.
Dieser persönliche Umgang ist mitentscheidend dafür, ob ein Ereignis als traumatisch empfunden wird oder nicht. Deshalb kann dasselbe Erlebnis für manche Menschen tiefgreifende Spuren hinterlassen, während andere es besser verarbeiten. Trauma hängt also maßgeblich von der individuellen Erfahrung und Verarbeitung ab.
Somatische Arbeit zur Traumaverarbeitung
Um Trauma auf körperlicher Ebene zu lösen, gibt es verschiedene Ansätze, die direkt auf das Nervensystem wirken und tief sitzende Spannungen regulieren können. Methoden wie Breathwork, TRE und Somatic Experiencing helfen dabei, gespeicherte Stressreaktionen sanft zu entladen und dem Körper zu signalisieren, dass die Bedrohung vorbei ist.
Wie Trauma im Körper gelöst wird
Trauma bleibt oft in unserem Nervensystem "stecken", weil unser Körper in einem Zustand der Alarmbereitschaft verharrt – sei es in Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktionen. Um diese blockierten Energien zu lösen, ist es essenziell, dem Körper gezielt neue, regulierende Erfahrungen zu ermöglichen.
Einige wirkungsvolle Ansätze sind:
Breathwork: Durch gezielte Atemtechniken können unterdrückte Emotionen freigesetzt und das autonome Nervensystem reguliert werden. Bestimmte Atemmuster helfen dabei, Spannungen abzubauen und ein Gefühl von Sicherheit im Körper zu verankern.
Somatic Experiencing (SE): Diese Methode nach Dr. Peter Levine arbeitet mit feinen Körperempfindungen, um traumatische Energie sanft abzuleiten, ohne das Ereignis erneut durchleben zu müssen.
Trauma Relief-Techniken: Dazu gehören achtsame Bewegungen, Zittern (z. B. TRE – Trauma Releasing Exercises) oder gezielte Berührungstechniken, die helfen, eingefrorene Reaktionen aufzulösen.
Polyvagal-Theorie & Regulation: Übungen zur Aktivierung des ventralen Vagusnervs, wie Summen, sanfte rhythmische Bewegungen oder soziale Interaktion, unterstützen das Nervensystem dabei, wieder in einen entspannten Zustand zurückzukehren.
Regulierung des Nervensystems als Schlüssel
Ein zentrales Ziel der somatischen Traumaarbeit ist es, das Nervensystem aus einem Zustand der Dysregulation (Übererregung oder Erstarrung) zurück in ein Gleichgewicht zu bringen. Das geschieht durch sanfte, wiederholte Erfahrungen von Sicherheit, Selbstregulation und Verkörperung.
Dazu gehören:
✔ Achtsame Körperwahrnehmung – Spüren, wo sich Anspannung zeigt, ohne sie zu verdrängen.
✔ Bewegung & Zittern – Natürliche Entladungen des Körpers zulassen, um festgehaltene Energie zu lösen.
✔ Atemtechniken & Berührung – Sanfte Methoden, die den Körper beruhigen und das Sicherheitssystem aktivieren.
✔ Soziale Verbindung & Co-Regulation – Durch bewussten Kontakt mit anderen Menschen kann sich das Nervensystem entspannen.
Durch regelmäßige somatische Praxis kann der Körper lernen, alte Muster von Anspannung loszulassen und sich nachhaltig zu regulieren. So wird nicht nur das Trauma verarbeitet, sondern auch ein neues Gefühl von Sicherheit und Lebendigkeit im Körper geschaffen.
das nervensystem
eine kurze einführung
das autonome nervensystem (ANS) ist verantwortlich für die regulation unbewusster physiologischer prozesse im körper, die aufrechterhaltung des inneren gleichgewichts und die reaktion auf veränderungen in der äußeren umwelt. seine hauptaufgabe ist es, sicherzustellen, dass körperliche funktionen reibungslos ablaufen, ohne dass bewusstes eingreifen erforderlich ist. das ANS beeinflusst eine Vielzahl von funktionen, darunter herzfrequenz, verdauung, atemfrequenz, pupillenreaktion und mehr.
die beiden hauptzweige des autonomen nervensystems sind das sympathische nervensystem und das parasympathische nervensystem.
das sympathische nervensystem (SNS) wird als reaktion auf stress, gefahr oder situationen, die erhöhte körperliche aktivität erfordern, aktiviert. es bereitet den körper auf eine aktion vor, indem es die herzfrequenz erhöht, die pupillen weitet, blut in die muskeln umverteilt und adrenalin freisetzt. diese veränderungen helfen dem körper, auf eine wahrgenommene bedrohung oder einen stressfaktor zu reagieren.
das sympathische nervensystem wird oft mit der "kampf- oder flucht"-reaktion (fight or flight) in verbindung gebracht und ist dafür verantwortlich, den körper auf stress oder gefahr vorzubereiten.
das sympathische nervensystem
das parasympathische nervensystem (PNS) wird während phasen der ruhe und erholung aktiviert. es fördert die entspannung und erholung, indem es die herzfrequenz verlangsamt, die pupillen verengt, die verdauung anregt und die nährstoffaufnahme erleichtert. das PNS spart energie und unterstützt die wesentlichen funktionen des körpers, wenn keine unmittelbare körperliche aktivität stattfindet.
das parasympathische nervensystem wird oft als "ruhen und verdauen"-system (rest and digest) bezeichnet, da seine hauptsächliche funktion darin besteht, entspannung, erholung und die aufrechterhaltung der inneren funktionen des körpers während der ruhephasen zu fördern.
das parasympathische nervensystem
in der heutigen, modernen gesellschaft operieren wir überwiegend im sympathischen nervensystem
moderne lebensstile, die von ständiger verbindung, anspruchsvollen arbeitszeiten und verschiedenen stressfaktoren geprägt sind, schaffen oft eine situation, die die dominanz des sympathischen nervensystems begünstigt. mehrere aspekte des heutigen alltags tragen zu diesem phänomen bei, und die folgen können erhebliche auswirkungen auf das körperliche und mentale wohlbefinden haben.
angst, stress, erschöpfung, depression, burnout, schlafstörungen, gewichtsprobleme, emotionale distanz, muskelverspannungen und autoimmunerkrankungen sind alles symptome eines dysregulierten nervensystems.
let’s have a closer look
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angst ist eng mit dem nervensystem verbunden.
angst ist ein symptom der kampf-oder-flucht-reaktion des körpers – die natürliche reaktion des körpers auf wahrgenommene gefahr oder stress.
wenn der körper sich in diesem erhöhten zustand befindet, schüttet das nervensystem hormone wie adrenalin aus, die die herzfrequenz und den blutdruck erhöhen, sowie cortisol, das die stresshormone ansteigen lässt. diese reaktion beeinflusst auch das verdauungssystem, was zu magenbeschwerden und übelkeit führen kann.
das nervensystem ist dafür verantwortlich, äußere bedrohungen zu erkennen, zu verarbeiten und darauf zu reagieren, was zu physischen und psychischen symptomen von angst führen kann.
umgekehrt kann ein überstimulierendes nervensystem angstgefühle und sogar panikattacken auslösen. symptome umfassen schnelle atmung, erhöhte herzfrequenz, zittern und konzentrationsschwierigkeiten.
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wenn die stressreaktionen des nervensystems über längere zeit dysreguliert sind, können sie verschiedene negative auswirkungen auf den körper und die psyche haben, wie zum beispiel:
chronische muskelverspannungen – dies kann zu schmerzen und steifheit führen, besonders im nacken, rücken und schultern.
verdauungsprobleme – eine chronische stressreaktion kann die verdauung beeinträchtigen, was zu blähungen, verstopfung, durchfall oder anderen magen-darm-beschwerden führen kann.
geschwächtes immunsystem – langfristiger stress kann das immunsystem schwächen, wodurch der körper anfälliger für infektionen wird.
erhöhte entzündungswerte – chronischer stress kann zu erhöhten entzündungswerten im körper führen, was zu einer Vielzahl von gesundheitlichen problemen, wie z.b. autoimmunerkrankungen, führen kann.
hormonelle unregelmäßigkeiten – eine anhaltende erhöhte freisetzung von stresshormonen wie cortisol kann zu hormonellen ungleichgewichten führen, was sich negativ auf den schlaf, das gewicht und das allgemeine wohlbefinden auswirken kann.
angst, depression und burnout – stress, der nicht richtig reguliert wird, kann zu psychischen erkrankungen wie angststörungen, depressionen und burnout führen.
schlafstörungen – ständiger stress kann die schlafqualität erheblich beeinträchtigen und zu insomnia oder unruhigem schlaf führen.
erhöhtes risiko für herz-kreislauf-erkrankungen – chronisch erhöhter blutdruck und andere stressbedingte reaktionen können das risiko für herzkrankheiten und andere kreislaufprobleme erhöhen.
reduzierte kognitive funktion – langanhaltender stress kann das gedächtnis, die konzentration und die allgemeine geistige klarheit beeinträchtigen.
emotionale instabilität – durch chronischen stress können emotionen wie reizbarkeit, wutausbrüche oder emotionale abflachung stärker auftreten.
all diese auswirkungen entstehen, weil das nervensystem im stressmodus bleibt und der körper keine chance hat, sich zu erholen und die notwendige balance wiederherzustellen..
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ttrauma ist eine psychologische reaktion auf ein ereignis oder eine erfahrung, die tief erschütternd oder beunruhigend ist. es ist gekennzeichnet durch ein gefühl intensiver angst, hilflosigkeit oder schock und kann aus verschiedenen erfahrungen resultieren, wie missbrauch, gewalt, unfällen, naturkatastrophen oder anderen überwältigenden oder bedrohlichen ereignissen.
trauma kann einen tiefgreifenden einfluss auf das nervensystem haben. wenn wir ein traumatisches ereignis erleben, ist die natürliche reaktion unseres körpers, die "kampf-oder-flucht"-reaktion zu aktivieren, die eine flut von stresshormonen wie adrenalin und cortisol freisetzt. diese reaktion ist kurzfristig hilfreich, weil sie uns auf den umgang mit gefahr vorbereitet, aber wenn sie über einen langen zeitraum aufrechterhalten wird, kann sie schädliche auswirkungen auf das nervensystem haben.chronisches trauma kann zu veränderungen in der struktur und funktion des gehirns führen, insbesondere in bereichen, die an der regulierung von emotionen und stressreaktionen beteiligt sind. dies kann eine reihe von symptomen zur folge haben, einschließlich angst, depression, übermäßiger wachsamkeit, flashbacks und konzentrationsstörungen.
wie reguliert man sein nervensystem?
die regulierung des nervensystems beinhaltet das managen des gleichgewichts zwischen dem sympathischen nervensystem (verantwortlich für die "kampf-oder-flucht"-reaktion) und dem parasympathischen nervensystem (verantwortlich für die "ruhe-und-verdauung"-reaktion).
dieses gleichgewicht ist entscheidend für das allgemeine wohlbefinden und kann einen erheblichen einfluss auf sowohl die körperliche als auch die geistige gesundheit haben. hier sind einige einfache möglichkeiten,
dein nervensystem zu regulieren:
praktiziere breathwork, um das parasympathische nervensystem zu aktivieren. dies kann dabei helfen, die stressreaktion des körpers zu beruhigen und eine tiefere entspannung zu fördern.
breathwork:
bewältige stress, indem du realistische ziele setzt, aufgaben priorisierst und lernst, auch mal nein zu sagen, wenn es nötig ist.
grenzen setzen:
yoga & meditation:
praktiken wie achtsamkeitsmeditation können helfen, das nervensystem zu regulieren, indem sie entspannung fördern und die auswirkungen von stressfaktoren verringern.
die natur hat eine beruhigende wirkung auf uns, besonders durch die reduzierung von sinnlicher überlastung. für die meisten von uns ist es einfacher, den geist zu beruhigen und sich wieder mit sich selbst zu verbinden.
natur:
sport:
körperliche betätigung kann helfen, das nervensystem zu regulieren, indem sie die freisetzung von endorphinen fördert und stresshormone reduziert.
sorge dafür, genügend qualitativ hochwertigen schlaf zu bekommen, da dies entscheidend für die erholung des körpers und das reibungslose funktionieren des nervensystems ist.
schlaf:
zur ruhe kommen, stressfaktoren reduzieren, das parasympathische nervensystem aktivieren und homöostase schaffen, hat einen enormen effekt auf eine reihe von problemen:
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die aktivierung des parasympathischen nervensystems hilft, die freisetzung von stresshormonen wie cortisol und adrenalin zu reduzieren. dies verringert wiederum die gesamtstressreaktion im körper.
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das parasympathische nervensystem verlangsamt die herzfrequenz und fördert die erweiterung der blutgefäße, was zu einem abfall des blutdrucks führt. dies ist teil der entspannungsreaktion des körpers.
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die aktivierung des parasympathischen nervensystems unterstützt die verdauungsprozesse. sie erhöht den blutfluss zu den verdauungsorganen, fördert eine bessere nährstoffaufnahme und optimiert die funktion des verdauungstrakts.
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chronischer stress kann das immunsystem schwächen. durch die regulierung des nervensystems, insbesondere durch praktiken wie meditation und tiefes atmen, kannst du dein immunsystem unterstützen und deine anfälligkeit für krankheiten verringern.
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chronischer stress kann zu erhöhten blutzuckerwerten führen. die regulierung des nervensystems kann helfen, den blutzuckerspiegel stabil zu halten und das risiko für insulinresistenz und diabetes zu verringern.
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das parasympathische nervensystem fördert die muskelentspannung. anspannung und verspannungen in den muskeln lassen oft nach, wenn der körper in einem entspannten zustand ist.
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tiefes atmen und entspannungstechniken zur regulierung des nervensystems können die atemfunktion verbessern. dazu gehören eine erhöhte lungenkapazität und ein effizienterer sauerstoffaustausch.
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die regulierung des nervensystems kann zum emotionalen wohlbefinden beitragen, indem sie angstgefühle verringert und eine positivere stimmung fördert.
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ein reguliertes nervensystem wird mit einer verbesserten kognitiven funktion in verbindung gebracht, einschließlich besserer konzentration, aufmerksamkeit und gedächtnis.
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die aktivierung des parasympathischen nervensystems fördert einen entspannten zustand, der das einschlafen erleichtert und die allgemeine schlafqualität verbessert.